Die Lunge als Atemorgan
Liebe Leser!
In folgendem Artikel betrachten wir die Lunge und ihren Aufbau. Und halten wir im Bewusstsein, dass dieses Organ im Zusammenhang mit dem Luftraum aktiv wird. Mit dem ersten Atemzug beginnt diese Berührung mit dem äußeren Raum und belebt und bewegt unsere Körperlichkeit.
Der Bronchialbaum
Die Lungen erfüllen als Zentrum der Atmung den Brustkorb und umschließen mit ihren beiden Flügeln das Herz. In dieser Mitte zwischen dem Haupt und dem Bauchraum fühlen wir diese beiden Organe in ihrem rhythmischen Pulsieren. Von oben kommend verzweigen sich die Bronchien wie das Geäst eines Baumes in umgekehrter Richtung in immer kleinere Äste und deshalb spricht man von dem Bronchialbaum. Die kleinsten Bronchiolen tragen an ihren Enden viele Millionen Lungenbläschen. In dieser atmenden Peripherie findet der lebenserhaltende Austausch von Sauerstoff und Kohlendioxid statt. Hier begegnen sich der große, äußere Luftraum und unser individueller, kleiner Atemraum, der Körper.
Der Baum, eine Analogie zum Bronchialbaum
In der Natur empfängt der Baum mit seiner ausgebreiteten Blätterkrone das Lichtwirken der Sonne. Sein reichhaltiges Blattwerk reagiert auf die kosmischen Lichteinflüsse. Er verwandelt an seiner grünen Peripherie das Kohlendioxid in Sauerstoff und gibt dieses Element in den Luftraum hinein. Wir empfangen den Sauerstoff, auch Lebensstoff genannt, als Gabe von den Bäumen. So sind wir über das lebensfördernde Element Luft und über den weiten, von kosmischen Einflüssen durchdrungenen Luftraum atmend mit den Pflanzen und allen Lebewesen verbunden.
Die Lunge
Die Lunge besitzt keinerlei eigene Muskulatur in sich. Sie besteht aus weichem Gewebe, das durchsetzt ist von den Ästen der Bronchiolen und von Gewebenetzen, bestehend aus Blutgefäßen, Nerven und strukturerhaltenden Fasern. Wir finden in der Lunge Unterteilungen in einige sogenannte Lappen und kleinere Läppchen vor. Die Läppchen können sich bei der Einatmung durch gegenseitige Verschiebungen dreidimensional ausdehnen. Das ist sehr wesentlich, damit keine Schäden oder Risse an den zarten Netzen der Kapillaren und Nerven durch einseitige Überdehnungen entstehen. Auch die Pleura gewährt ein Gleiten, so dass die beiden Lungenflügel in der Ein- und Ausatmung immer ihre Form bewahren können. Es ist irreführend den Luft-Atemprozess mit einem Blasebalg in Verbindung zu bringen, wie es oft in Vergleichen stattfindet. Deshalb möchte ich das Bild hier anders zeichnen.
Blicken wir zuerst in den Luftraum, als den großen Atemraum und stellen wir uns die Atmung wie eine Art kommende und gehende Welle vor. Die Lungen öffnen sich zur Einatmung und ziehen sich zurück mit der Ausatmung. Wie der Baum über das Lichtwirken seine Lebensprozesse beginnt, so wird die Lunge zu ihrem Stoffaustausch angeregt über den Lufthauch, den sie von außen kommend empfängt. Dieser rhythmische Prozess begleitet uns Tag und Nacht und bleibt uns doch die meiste Zeit über unbewusst.
Das Umfeld der Lungen spielt eine wichtige Rolle für einen gesunden, harmonischen Atemablauf. Die sogenannten Atemhelfer, das sind das Zwerchfell, die Zwischenrippenmuskulatur, die Wirbelsäule, und viele Hilfsmuskel in der Kopf- und Beckenregion, sind für die Bewegung der Lungenflügel zuständig. Ein ungehindertes Zusammenspiel all dieser Muskeln und Sehnen hängt von vielen Faktoren der körperlichen Haltung, der Muskulatur und ihrem Tonus ab. Die Körperhaltung, die Verspannungen, die Beweglichkeit und Flexibilität der Wirbelsäule, des Beckens und des Brustkorbs, all diese Faktoren wirken sich auf das Atemgeschehen unmittelbar aus.
Die Atemmuskulatur eröffnet Räume in drei verschiedene Bewegungsdimensionen. Das sind die Tiefe des Bauch- und Beckenraumes, die Weite zu den Flanken und in den Brustraum und die Höhe zu den Lungenspitzen hoch. Die Wirbelsäule gibt der Atemausdehnung von der Rückenseite aus eine gute Stabilität und Halt. Die Beweglichkeit im Brustbereich bis in die obere und untere Rippenbewegung hinein dient der Höhe und Weite der Atmung. Das Zwerchfell und die Beckenmuskulatur fördern die Ausdehnung in die Tiefe und ermöglichen dadurch die sogenannte Bauchatmung. In ihrem gesamten Aufbau gleicht die Atemmuskulatur einem weisheitsvoll gebauten Instrument. Auf diesem möchte der Atem in natürlichem Rhythmus leicht und unbeschwert erklingen.
Die Bewegungsübungen der freien Atemübungen und der Yogaasana nach dem neuen Yogawillen* sind in ihrem natürlichen Haltungsaufbau in guter, sorgfältiger Übereinstimmung mit der physiologischen Atemanlage. Sie führen auf indirekte Weise, d.h. ohne die Atmung willentlich zu beeinflussen zur Harmonisierung des Atemflusses.
Viele Grüße
Ulrike Mayr
*Der freie Atem ist eine gewählte Bezeichnung im Neuen Yogawillen von seinem Begründer Heinz Grill und nimmt in dieser Übungsweise eine zentrale Bedeutung ein. Jede Yogastellung, sei sie von leichter oder fortgeschrittener Art, wird als freie Atemübung ausgeführt. In vielen Yogaschulen wird eine Atemlenkung, d.h. ein bewusster Eingriff in den Atemrhythmus praktiziert. Hier achtet der Übende jedoch bewusst darauf, dass die Atmung bei jeder Körperübung ungehindert und frei fließen kann.