Atemheilung nach Dr. Konstantin Pavlovich Buteyko

 
 
 
 

Liebe Leser*innen!

Den interessanten Gedanken der Atemreduzierung, die durch Übung und über Entspannung und Bewusstheit zur Atmung gestaltet wird und den Werdegang zu dieser Atemheilung nach Dr. K. Buteyko möchte ich euch in diesem Artikel vorstellen. 

Es grüßt euch, Ulrike Mayr.


„Sie sollen sanft atmen, sanft!“

Dr. K. Buteyko


Dr. Konstantin P. Buteyko, (geb.1923 bis 2003) folgte seinem frühen Interesse an Maschinen, indem er in Kiew ein Studium am Polytechnischen Institut begann. Er musste dieses Studium während des zweiten Weltkrieges unterbrechen und geprägt durch seine Erfahrungen in den Kriegsjahren wechselte er das Studium und schrieb sich 1946 in Moskau für das Fach Medizin ein. Sein Interesse widmete er nun der „kompliziertesten Maschine“, dem menschlichen Körper. Während seiner Zeit als Medizinstudent arbeitete er in einer Klinik auf einer Intensivstation und übernahm dort die Aufgabe, die Atmung der Patienten zu überwachen und die Krankheitsverläufe in Zusammenhang mit der Atmung zu dokumentieren. Es fiel ihm auf, dass der Atem der Kranken umso stärker und intensiver wurde, je mehr sich ihr Zustand verschlechterte. Schließlich konnte er über die Atembeobachtung einschätzen, wieviel Lebenszeit den Kranken noch verblieb. 

Diese Intensivierung der Atmung zum Tode hin beschäftigte ihn sehr und er begann zeitgleich seine eigene Krankheit zu reflektieren und überlegte, ob in der Umkehrung „weniger Atmen“ zu mehr Gesundheit führen könnte. Dies findet Ausdruck in folgenden Zitat von ihm: „Atme ich so stark weil ich krank bin, oder bin ich krank weil ich so stark atme?“

Dr. Buteyko litt selbst an schwerem malignem Bluthochdruck, mit starken Anfällen von Atemnot und Herzattacken und es war ihm eine kurze Lebensspanne vorhergesagt. Aufgrund seiner Beobachtungen, die er über unzählige Stunden am Bett kranker und sterbender Menschen machte, begann er nun bei sich selbst zu experimentieren. Er übte entspannter und weniger zu atmen. Überraschend schnell trat eine Besserung seines eigenen Leidens ein und schließlich die vollständige Heilung seines Bluthochdruckes. Über einen längeren Zeitraum überprüfte Dr. Buteyko diese Zusammenhänge bei sich und seinen Patienten. Er bemerkte, dass er über sein Atemverhalten die Symptome seiner Krankheit zum Verschwinden oder zum Wiederaufleben bringen konnte. Daraufhin stellte er die Theorie der „reduzierten Atmung“ auf und gelangte in der Praxis immer wieder zu jenem Ergebnis: „Lernt der Mensch seine Atmung anzupassen, kehrt er seine Krankheit um.“  

Zeitgleich erprobte er diese Methode an vielen Asthmatikern, indem er sie während ihrer Anfälle beruhigte und darin anwies weniger intensiv zu atmen. Dies war sicher nicht einfach in solch einer spezifischen Situation mit Atemnot zu leisten. Das Ergebnis war bei allen eine verkürzte Anfallszeit.

Was geschieht bei einer länger anhaltenden, intensivierten Atmung im Körper? Dr. K. Buteyko hatte sehr bald ein klares Bild über die physiologischen Abläufe vor seinem inneren Auge. Mehr Einatmung, führt in der Folge zur vermehrten Ausatmung. Das Überraschende ist nun, dass die vermehrte Ausatmung deshalb zu weiteren gesundheitlichen Problemen führt, weil zu viel CO2 abgeatmet wird und ein Mangel an CO2 im Blut erzeugt mit belastenden Folgen für den Stoffwechsel. 

Eine kurze Anschauung zur Atmung soll hier diese Gedankengänge aufzeigen. Im ruhigen Zustand atmen wir ca. 8-12 Mal pro Minute ca. ½ Liter Luft ein und aus. Die Luft enthält 21% Sauerstoff, so dass immer mehr Sauerstoff als nötig eingeatmet und ein Teil davon wieder ausgeatmet wird. CO2 dagegen muss vom Körper selbst produziert werden. CO2 wirkt im Körper als ein Relaxans und bei ruhiger Atmung bleibt das Mas von CO2 im guten Gleichgewicht, ein Mangel muss mit Aufwand behoben werden.

Je mehr sich die Atmung an Intensität, Stärke und auch Schnelligkeit steigert, ohne dass wirklich Bedarf* durch Muskelbewegung im Körper vorhanden ist, desto mehr wird das Kohlendioxid abgeatmet, der CO2-Spiegel im Blut sinkt und mehrere ungesunde Prozesse für das Stoffwechselgeschehen kommen in Gang. Es verengen sich die Blutgefäße, damit reduziert sich die Blutversorgung und dies wirkt wieder auf die Sauerstoffversorgung. PH-Wertverschiebungen** treten auf und weitere Verteidigungsmaßnahmen des Körpers auf Kosten anderer gesunder Abläufe, sind die nachfolgenden Reaktionen. Eine Art biologische Stresssituation tritt ein. In einer Tabelle (siehe Ende des Artikels) erfolgt eine Übersicht welche Wirkungen mit einem CO2-Mangel verbunden sind. 

In der Buteyko-Methode geht es darum, über eine sanftere Atmung und Atemreduzierung die physiologischen Prozesse wieder ins Gleichgewicht zu führen. Seit diesem Verständnis zur sogenannten Überatmung erprobte Dr. Buteyko seine Methode der Atemreduzierung und „sanften Atmung“ mit erfolgreichen Heilungen und Verbesserungen der Krankheitssituation an vielen seiner Patienten. Über lange Zeit fand er jedoch weder Unterstützung noch Anerkennung bei seinen medizinischen Kollegen. Als er die Stelle als Leiter eines Kliniklabors in Akademgorok*** innehatte, konnte er anhand von vielen Dokumentationen die notwendigen medizinischen Nachweise für die Folgen einer Überatmung und eine wirkungsvolle Behandlung erbringen. Jedoch war er der Missgunst des damaligen Machtregimes und seiner Kollegen ausgesetzt und musste die gewaltsamen Auflösung seines Labors erleben. Erst in den Jahren ab 1980 fand seine Methode zunehmende Anerkennung. 1988 wurde ihm schließlich erlaubt in Moskau eine eigene Klinik zu gründen. Nachweißlich fanden aufgrund seiner Heilmethode 96% aller asthmatischen Kinder vielfache Verbesserung ihrer Krankheit. 

Dr. Buteyko äußerte die Ansicht, dass die chronische Überatmung ein häufiges Phänomen unserer Zeit darstelle. Seine Vermutung war, dass 90% aller Krankheiten mit einer „chronischen Überatmung“ in Verbindung stehe. Dazu gehören alle Krankheiten, die Gefäßverengungen betreffen und mit Herz-Kreislauf zu tun haben, die mit Anspannungen des Muskelsystems und des Atemsystems verbunden sind, die das vegetative Nervensystem betreffen und im weiteren Verlauf Müdigkeit, Erschöpfung, Burn-Out und mentale Schwäche nach sich ziehen.

Inzwischen hat sich die Wertschätzung der Buteyko-Atemmethode auch auf viele Länder außerhalb von Russland ausgeweitet. In Australien, Neuseeland, Großbritannien, Deutschland  und noch einigen Ländern Europas arbeiten Menschen therapeutisch mit der Buteyko-Methode. In die klassische Medizin konnte sie bisher keine Integration finden.

Um sich mit der Methode vertraut zu machen möchte ich Euch die Literatur von Ralph Skuban (1) und Dr. Silvia Smolka (2) und Dr. Andrey Novozhilov (3) empfehlen.

Übung um sich mit der Atemreduzierung vertraut zu machen:

  • Führen Sie den Zeigefinger ganz nah unter die Nase und nehmen Sie die Luft und Wärme des Lufthauches beim Ausatmen war.

  • Atmen Sie so, dass der Atem immer weniger spürbar wird. 

  • Die Einatmung wird dabei kürzer und die Ausatmung langsamer

  • Nach einiger Zeit, wird sich eine Art „Lufthunger“ einstellen. 

  • Wie sanft kann der Atem werden, so dass fast nur noch Wärme und kaum ein Luftstrom gefühlt wird?

  • Experimentieren Sie spielerisch und entspannt diese reduzierte Atmung für ein paar Minuten zu erleben.


Übersicht über die Wirkungen der Überatmung 

Überatmung/Hyperventilation

Kohlendioxidspiegel wird niedriger

Stimuliert den Sympathikus

Führt zu Bronchialverengung

Gefäßverengung

Der Blutdruck geht hoch

Weniger Sauerstoffsättigung im Blut (Bohreffekt)

Anspannung/Schmerz steigt an

Hungergefühl steigt an 

Verlangen nach säurehaltigen Lebensmitteln steigt

Darmtonus steigt an 

Atemreduzierung

Kohlendioxidspiegel wird höher

Stimuliert den Parasympathikus

Führt zu Bronchialerweiterung

Gefäßerweiterung

Der Blutdruck sinkt

Bessere Sauerstoffsättigung im Blut

Entspannung

weniger Hungergefühl

Verlangen nach basischer Nahrung steigt

Darmtonus fällt ab


Literatur:

  1. Ralph Skuban: die Buteyko Methode

  2. Dr. Silvia Smolka: die Buteyko Atmung

  3. Dr. Andrey Novozhilov: Leben ohne Asthma

* Wenn Bedarf z.B. über die Körperbewegung gegeben ist, wird an den speziellen Stellen über die Verbrennung wieder CO2 erzeugt.

** Von einem sauren pH im Blut spricht man bei Werten von weniger als 7,36. Wenn das Blut einen so niedrigen pH-Wert aufweist, spricht der Arzt von einer Übersäuerung des Blutes (Azidose). Ein pH-Wert ab 7,44 gilt als basisch. Dann liegt eine Alkalose vor. Der Referenzbereich des pH-Wertes im Blut ist also sehr eng und erlaubt nur minimale Abweichungen. Ist der pH-Wert erhöht, nennt man das Alkalose. Es bedeutet, dass der pH-Wert basisch ist. Eine Abweichung bis 7,5 bezeichnet eine leichte Alkalose. Bei einem pH-Wert ab 7,6 liegt eine schwere, lebensbedrohliche Alkalose vor. 

*** Hier wurde damals für die russische Weltraummission geforscht. Dr. Buteyko erfand den berühmten Komplexator, ein Gerät zur Aufzeichnung der meisten physiologischen Funktionen des menschlichen Körpers.