Der Atemraum als seelischer Raum
Der Luftraum ist angereichert mit Gedanken, Gefühlen und Stimmungen, die wir mit der Atmung aufnehmen und selbst auch abgeben.
Liebe Leser*innen!
An jedem Ort, sei es in der Natur oder in einem Raum mit anderen Menschen, atmen wir. Wir nehmen direkt die Luft aus der nahen Umgebung um uns herum auf. Zugleich nehmen wir mit der Atmung auch die Stimmungen der äußeren Sphäre in uns auf.
Wenn wir uns an einem Ort oder unter bestimmten Menschen z.B. nicht wohl fühlen, wird unsere Atmung beeinträchtigt. Sie fühlt sich eng an, oder wird unrhythmisch und hektisch. Wir können uns für die Umgebung mit unserer Atmung in diesem Fall nicht ungehindert und frei öffnen.
Oder wir erleben, wie in einem Gespräch oder einem Spaziergang unsere Atmung sehr natürlich und leicht geht. Sobald eine Sympathie zur Außenwelt gegeben ist, fließt der Atemrhythmus natürlich und unbeschwert. Über die Atmung steht jeder Mensch in naher Verbindung mit seiner Umgebung und seinen Mitmenschen. Wir nehmen auch Stimmungen der äußeren Sphäre, konkreter ausgedrückt Gedanken und Gefühle von außen mit der Atmung in uns auf. Und wir geben ebenso auf unsichtbare Weise eigene Gedanken und Gefühle in den Luftraum hinein mit der Ausatmung.
Dies mag zunächst fantastisch klingen. Anhand der Yogaübungen ist es jedoch gar nicht so schwer zu beobachten, wie klare Gedanken bei der Ausführung eine klare und lichte Atmosphäre auch für die Zuschauer nach außen hin erschaffen. Oder im Gegenteil, wie durch ungeordnete und diffuse Gedanken eher eine Art Verschattung bis nach außen in den Luftraum hinein erlebbar wird. So sind wir über den Luftraum auch auf tieferer Ebene, bis in das Denken und Fühlen mit anderen verbunden.
Ich möchte euch anregen selbst in der Praxis zu beobachten, wie eine Yogaübung nach innen und außen wirkt, wenn sie von einer klaren Vorstellung oder einem inhaltlichen Gedanken ausgeht, oder wenn sie im Gegensatz dazu, mit Zerstreutheit praktiziert wird oder allein die Technik und Motorik im Vordergrund steht.
Ausführung
zur Yogastellung
das Kamel
Hier ist der Gedanke in der Yogastellung Kamel eine Weite und Offenheit nach außen und eine Ruhe und Stabilität nach innen bildhaft auszudrücken. Die Arme geben eine Hilfe, dass sich die Wirbelsäule auf gesunde Weise ausdehnt und nach rückwärts formt. Der Atem bleibt frei und leicht im Fließen.
Es grüßt Euch
Ulrike Mayr